Christmette Kreuzkirche 2011
|
|
Kantorei Es ist ein Ros entsprungen
Es ist ein Ros entsprungen, aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht mitten im kalten Winter
wohl zu der halben Nacht.
Das Blümlein, das ich meine, davon Jesaja sagt,
hat uns gebracht alleine, Marie, die reine Magd.
Aus Gottes ewgem Rat hat sie ein Kind geboren,
welches uns selig macht.
Das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß
mit seinem hellen Scheine vertreibts die Finsternis.
Wahr Mensch und wahrer Gott, hilft uns aus allem Leide
Rettet von Sünd und Tod
O Jesu bis zum Scheiden aus diesem Jammertal
Lass dein Hilf uns geleiten hin in den Freudensaal,
in deines Vaters Reich, da wir dich ewig loben;
o Gott, uns das verleih!
|
Verkündigung I
Ist Ihnen dieses Weihnachtslied auch von Kind an vertraut? Es hat
etwas Zartes, Poetisches. Von einer schönen Blume ist da die Rede,
einer Rosenknospe. Ein frischer Trieb, eine zarte Blüte aus einer
alten Wurzel ausgetrieben.
Nur wer seine Bibel gut kennt, kann deuten und verstehen, wovon da die
Rede ist. Mit den Alten, die uns etwas gesungen haben, sind die
Propheten des Alten Testaments gemeint. Hier namentlich Jesaja.
Im 7., 9. und 11. Kapitel seines Prophetenbuches findet sich eine
dreistufige Messiasankündigung. Zuerst ist er noch ungeboren
(7,14): Siehe, eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn
gebären, den wird sie Immanuel nennen, das heißt: Gott mit
uns.
Zwei Kapitel später ist dieser Sohn bereits zur Welt gekommen (9,5): Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter.
Wieder zwei Kapitel weiter die vorhin gehörten Worte (11,1-2): Es
wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner
Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der
Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der
Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn.
Klang die erste Strophe des alten Liedes noch fast wie ein Rätsel,
schließt die zweite Strophe das Geheimnis schon ein wenig auf:
Das Blümlein, das ich meine, davon Jesaja sagt,
hat uns gebracht alleine, Marie, die reine Magd.
Aus Gottes ew’gem Rat hat sie ein Kind geboren,
welches uns selig macht.
Die Verheißung des Messias, hat begonnen, sich zu
erfüllen mit dem Kind, das Maria geboren hat. Sie muss eine
besondere junge Frau gewesen sein. Bescheiden, unverdorben, empfindsam
und mit kindlichem Glauben. Ganz allein nimmt sie eine große
Aufgabe an: Ein Kind empfangen, dessen Herkunft die natürlichen
Grenzen sprengt. Bis heute scheint es vielen Menschen unvorstellbar,
dass dabei kein Mann beteiligt war, sondern ausschließlich Gott
gehandelt hat. Aber dürfen wir dem, der alles geordnet und
geschaffen hat, nicht noch viel mehr zutrauen, als das, was unser
Verstand fassen kann?
Maria sagt Ja zu dem Plan Gottes mit ihr und nimmt das Ungeborene an. -
Viel Tausendfach werden heute bei uns in besserer Zeit Ungeborene nicht
angenommen. - Maria traut Gott zu, dass er sie durch alle damit
verbundenen Schwierigkeiten durchbringen wird. Sie lässt das
Wunder an sich geschehen: „Mir geschehe, wie du gesagt hast“,
antwortet sie dem Engel Gabriel, der ihr gerade diese ungeplante
Schwangerschaft angekündigt hat. Sie wird es bestimmt nicht leicht
damit gehabt haben, als zunächst ledige Mutter. Ihr guter Ruf war
für viele dahin. Fast hätte sie sogar ihr Verlobter
verlassen. Aber ihr Einsatz hat sich gelohnt. Gott hat ihr Ja und ihr
Vertrauen gesegnet. Sie bringt den zur Welt, der uns selig macht: Jesus.
Die dritte und vierte Strophe diees Liedes, wurden erst 1844, also 300
Jahre später, hinzugefügt. Und zwar von einem gebürtigen
Nemmersdorfer, der später Pfarrer in Merkendorf war. In ihnen wird
das Rätsel noch weiter gelöst: Jesus, das Blümelein so kleine vertreibt mit seinem hellen Schein die Finsternis. Von ihm gehen Licht und Hoffnung aus, für alle Menschen, die sich ihm öffnen. Er bleibt unbegreiflich: Wahr Mensch und wahrer Gott.
Mensch, mit Haut und Haaren, mit Gefühlen und Ängsten, mit
Freude und Traurigkeit, wie wir auch – und doch auch ganz Gott,
mit der Vollmacht des Allerhöchsten ausgestattet, kann er aus Leid
und Sünde retten und über den Tod hinaus Leben schenken.
In der letzten Strophe wird Jesus dann ganz direkt angeredet:
O Jesu bis zum Scheiden aus diesem Jammertal
Lass dein Hilf uns geleiten hin in den Freudensaal,
in deines Vaters Reich, da wir dich ewig loben;
o Gott, uns das verleih!
So betet einer, der auf der einen Seite die Not der Welt erlebt hat,
den ganzen Jammer menschlichen Daseins durchlitten hat und der dennoch
mit Gottes Herrlichkeit rechnet.
Glaubende Menschen lassen sich nicht von dem Leid und der Not, die
ihnen begegnet, völlig beherrschen. Sie behalten den Ausblick und
die Hoffnung auf Erlösung und eine wunderbare Zukunft. Was auch
geschieht, in unserem Leben, Krankheit, Enttäuschung, Misserfolg.
Das alles kann uns nicht scheiden von der Liebe Jesu und von seiner
Zukunft.
Weihnachten mit seiner wunderbaren Geschichte, wie sie Lukas
erzählt, zeigt diese Spannung, von Erde und Himmel, von hartem
Leben, rauen Sitten, und himmlischer Herrlichkeit. Eine Geschichte, in
der Macht und Geld, Steuern und Stallgeruch genauso vorkommen, wie
Engel und Chöre, Licht und Freude. Hören wir noch einmal
aufmerksam hin:
Lesung Weihnachtsgeschichte I Lukas 2,1-7
Lied 37,1-4 Ich steh an deiner Krippen hier
Verkündigung II
Weihnachten wird immer ein Rätsel bleiben. Ein Geheimnis der
Liebe. Schlicht, einfach. Etwas für das Herz und die Seele. Wer
sich nicht öffnet dafür, dem bleibt es verschlossen. Man muss
die Botschaft hören, sie annehmen und dann danach handeln. Nur so
wird auch das eigene Herz mit Liebe erfüllt.
Ich will ihnen dazu eine kleine Geschichte erzählen, die erst
gestern in meinem Email-Briefkasten gelandet ist, als ich gerade an
dieser Predigt gearbeitet habe. Sie stand vor drei Jahren, an
Weihnachten, in der „Thüringer Allgemeine“ und ich
nehme an, dass sie sich tatsächlich so zugetragen hat und zwar in
einem ICE zwischen Berlin und Leipzig.
„Da betrat eine Frau Anfang 30 mit zwei etwa zehn und
zwölf Jahre alten Kindern den gut besetzten Speisewagen, am Arm
einen großen Korb voller Rosen. Mit freundlicher Stimme fragte
sie, ob ihr die Anwesenden einen Moment Aufmerksamkeit schenken
würden. - Nein, die Geschichte geht keinesfalls so weiter, wie Sie
jetzt glauben.
Sie sei, sprach die Frau in die Runde, die Tochter des
Lokführers. Und ihr Vater habe just in dieser Stunde im
Führerstand der Lok seine allerletzte Fahrt, und diese ende in
Leipzig. Er habe zeit seines 40-jährigen Berufslebens bedauert,
dass er nie die Fahrgäste sehen könne, die er tagaus, tagein
befördere. Und so habe sie sich gedacht, dass heute eine gute
Gelegenheit sei. Und ob sie denn allen Fahrgästen eine Rose
aushändigen dürfe, die diese wiederum bei der Ankunft in
Leipzig ihrem Vater überreichen würden?
Es war einen Moment still im Speisewagen, erst sah man erstaunte
Gesichter, dann viele nickende Köpfe. Es hat jeder eine Rose
genommen. Bundeswehrsoldaten, Manager, Geistliche, Monteure,
Laptop-Klapperer, Studenten, Omas und Enkel.
Als der Zug in Leipzig einfuhr, war alles anders als sonst, wenn ein
Zug ankommt. Besonders auffällig: die Abwesenheit von Hektik. Der
sonst so eilig fließende Strom der Reisenden schob sich
gemächlich dahin, er tröpfelte nur. Zahllose Menschen
bewegten sich auf die Lok zu, vor der sich in kürzester Zeit eine
Schlange bildete. Und jeder sagte dem nach kurzer Zeit
tränenüberströmten Lokführer einen kleinen Spruch
ins Gesicht.
Schon bald war der Führerstand übersät mit Rosen. Das
dreiköpfige Empfangskommando der Bahn, das am Bahnsteig gewartet
hatte, um dem Lokführer-Jubilar einen kleinen Strauß zu
überreichen, starrte fassungslos auf den Auflauf und heulte wenig
später selber mit. Und mehrere Reisende aus Indien und Japan
zückten nach wenigen Sekunden des Überlegens die Kamera und
hielten drauf, was das Zeug hielt.
Kann sein, sie erzählen jetzt zu Hause, dass es in Deutschland
so wenig Bahnunfälle gibt, weil die Reisenden den Lokführer
nach jeder Tour mit Blumen überschütten.
Quelle: Birgit Kummer, Thüringer Allgemeine, 25.10.2008
Liebe, die ansteckt. Sicher sind all die Rosenüberreicher
fröhlich heimgegangen und der Lockführer war
überwältigt von der Liebe seiner Tochter, die Phantasie und
Mut bewiesen hat. Weihnachten, das ist auch Phantasie und Mut. Sich in
die Geschichte hineinzudenken und mitzumachen. Die Zugreisenden mussten
die Rose annehmen und weitergeben. So dürfen auch wir die Liebe
unseres Heilands annehmen und weitergeben.
Lesung Weihnachtsgeschichte II Lukas 2,8-14
Lied 48, 1-3 Kommet ihr Hirten
Verkündigung III
Ja, auch die Hirten mussten sich aus ihrem gewohnten Alltag
aufmachen. Als sie das wärmende Feuer verließen und sich
nach Bethlehem auf den Weg machten, da waren das Schritte des Glaubens
und des Gehorsams. Hätten sie sich nur auf ihre Vernunft und ihren
gesunden Menschenverstand verlassen, wären sie bei den Schafen
geblieben. Sie hätten sich in ihre Decken und Felle gewickelt und
am nächsten Morgen die wundersame himmlische Szene für einen
schönen Traum gehalten: Vielleicht ein wenig zu viel getrunken,
gestern.
Aber nein! Sie machten sich auf. Sie wollten sich selbst von der
Wahrheit der Botschaft überzeugen. Sie machten sich auf die Suche
nach diesem neugeborenen Kind, das der Christus, der Heiland und Retter
sein sollte.
Und sie fanden Jesus. Jeder, der sich wirklich auf die Suche
macht nach Jesus, der wird in ihm den Heiland und Retter für sich
finden. Wäre sonst diese Geschichte bis zu uns gekommen? Vor uns
haben Generationen von Menschen, die von diesem Jesu hörten,
irgendwann ihre Vernunft und ihre Bedenken zur Seite geschoben und sich
zur Krippe und zum Kreuz, zu Jesus, dem Sohn Gottes begeben.
Es ist bis heute ein Wunder und Geheimnis geblieben, das keiner von uns wirklich erklären und ganz fassen kann. Jesus ist der lebendige Gott, der auch heute noch rettet und tröstet, der Geborgenheit schenkt und Hoffnung,
auch wenn die äußeren Umstände gar nicht so rosig sind.
Es ist doch so, dass jeder von immer auch seinen Weihnachtskummer hat.
Marias Weihnachtskummer waren die Umstände ihrer ersten
Niederkunft. Nirgends ein Zimmer. Kein geschützter angenehmer Raum
um zu gebären. Und bald nach der Geburt des Kindes musste die
kleine Familie auf die Flucht. Herodes trachtete ihrem Kind nach dem
Leben. Wie soll denn das alles werden? Keine gesicherte Zukunft.
Weihnachtskummer und Weihnachtssorgen.
Was ist Ihr Weihnachtskummer? Was sind in diesem Jahr Ihre
Weihnachtssorgen? Das liebe Geld oder die Gesundheit? Der Streit in der
Familie? Oder sorgen Sie sich um unser Land, um Ihre Firma, um unsere
Kirche? Ist es ein Mensch, der ihnen das Herz schwer macht? Ein Mensch,
der nicht mehr da ist? Jemand, dessen Leben bedroht ist? Sind sie auf
der Flucht?
Was es auch ist, vertrauen Sie es Jesus an. Schieben Sie alle vernünftigen Gedanken und Bedenken zur Seite und trauen Sie Gott zu, dass er auch Ihren Kummer heilt und sich Ihrer Sorgen annimmt.
Wer mit glaubenden Augen in die Krippe sieht, der ist schon erlöst
von seinem Kummer, von seinen Sorgen, von seiner Schuld.
In dem Lied, das wir jetztgleich noch von der Kantorei hören,
heißt es: Maria durch ein Dornwald ging. Ihr Weg des Glaubens war
auch mit manchen Stacheln und spitzen Dornen gesäumt. Sie hatte es
wahrlich nicht leicht. So jung schon ein Kind und dann noch zu
früh und ohne Vater. Was mögen die Leute gelacht und
gelästert haben! Die Geburt im elenden Stall, dann die Flucht ins
fremde Ägypten. Jahrelang als Asylanten dort leben. Mit Angst
zurück. Wohl wieder Gerede in Nazareth. Bestimmt hat Maria ihren
Jesus oft nicht verstanden. Damals, als er kaum 12 Jahre alt in
Jerusalem verloren ging. Später als er sie manchmal
zurückwies und zuletzt als sie ihn am Kreuz sterben sah.
Wahrlich ein Wald von Dornen. Und doch hat sich die Verheißung erfüllt: „Dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für viele und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird.“ So hatte es der alte Simeon im Tempel über dem Jesuskind geweissagt. (Lukas 2, 34)
Maria hat alle diese Worte über Jesus in ihrem Herzen behalten,
bewegt, bedacht und so gut sie konnte geglaubt. Und so durfte sie an
Ostern schließlich auch Zeugin seiner Auferstehung werden. Ihr Festhalten an den Verheißungen hat sich gelohnt. Da haben schließlich die Dornen Rosen getragen. Aus dem Schmerz und Leid ist Gutes hervorgegangen.
Auch aus dem Schmerz und Leid, die uns zu schaffen machen kann Gott
durch Jesus und unser Vertrauen auf ihn Gutes werden lassen wenn wir
uns das Wort Gottes und die Verheißungen nicht nehmen lassen. Der
Gott, der mit einem hilflosen Kind die Welt verändert, kann auch
uns verändern und zu Boten seiner Liebe und Wahrheit machen. Amen.
Kantorei Maria durch ein Dornwald ging
Lesung Weihnachtsgeschichte III Lukas 2, 15-20
Solo Bereite dich Zion
Gebet, Vaterunser
Lied 44, O du fröhliche, o du selige
Weihnachtssegen
Lied 46, 1-3 Stille Nacht, heilige Nacht